Simon

Aus einer Fußballer-Familie stammend habe ich mit 6 Jahren in meinem Dorfverein das Fußballspielen begonnen. In den ersten Jahren gehörte verlieren wie eine Selbstverständlichkeit dazu. In unserer ersten Saison wurden die einstelligen Niederlagen wie Siege mit Bockwurst und Fanta gefeiert. Ich würde mich als unterdurchschnittlich talentiert bezeichnen.

Alles begann im Matsch

Meine Talent-Freiheit im Fußball war schwer zu kaschieren. So kam es dass Manfred Schleime, Weltmeister der M40 über 1500m, meinen Vater ansprach ob Simon es nicht mal mit Laufen (ohne Ball) probieren wolle. Meine Eltern haben nicht lange gezögert und sind auf die Empfehlung gleich mit mir und meinen drei Geschwistern nach Fretter zu den Kreis Cross Meisterschaften gefahren, wo wir alle sechs starteten. Mit alten geliehenen Spikes ist es mir gelungen gleich das Rennen in meiner Altersklasse zu gewinnen. Ein bisher unbekanntes Gefühl.

Von da an nahm ich regelmäßig am Lauftraining der SG Wenden teil und konnte auch auf der Bahn in meinem ersten Rennen in der M12 über die 1000m Kreismeister werden (3:21min). Eine neue Leidenschaft war entstanden und ein Jahr später kam auch mein seitdem bester Freund in den Verein. Der Verein wurde mehr und mehr zum Mittelpunkt meiner Freizeit, doch meine Leistungen stagnierten zunächst. Mit 13 Jahren lief es dann sportlich immer schlechter, da Wachstumsprobleme zu Knie-schmerzen führten. Meine Leistung über die 1000m war inzwischen auf 3:40 abgesackt.

Anklopfen an die erweiterte Landesspitze

vlnr: Alexander Brushinski (heute Henne), Dominik Sasse und Simon Huckestein
Westfalenmeisterschaften im Crosslauf im Jahr 2000

Im Herbst des Jahres schafften wir bei den Westfalenmeisterschaften im Crosslauf einen fantastischen dritten Platz im Team, unser bisher größte Erfolg. Mein Physiotherapeut versicherte mir, dass mein Knie schnell besser werden würde und weiteren Erfolgen nichts im Wege stehen würde. Recht sollte er behalten. Im Jahr 2000, dem letzten Jahr als Schüler unterbot ich erstmals die 3 Minuten über die 1000m. Höhepunkt war der 6. Platz bei den Landesmeisterschaften in 2:48min. Der Abstand nach vorne war immer noch groß aber ich war angefixt und wollte mich weiter verbessern. Im Herbst wurden wir schließlich Westfalenmeister im Crosslauf – ein kurz vorher noch unerreichbar scheinender Erfolg. In der Konsequenz wurde ich zusammen mit meinen zwei Mannschaftskameraden in den D-Kader des Landes berufen.

Erste Schritte auf nationalem Parkett

Nachdem ich 2001 erste Erfahrungen in der Jugendklasse sammelte war der Plan 2002, meinem 2. B-Jugend Jahr, endlich bei Deutschen Meisterschaften teilzunehmen. Im März des Jahres sollte es wieder einmal der Cross sein wo ich meine Ausdauerstärke zeigen durfte. Nach verpatztem Start konnte ich Runde um Runde in dem 120 teilnehmerstarken Feld aufholen und sicherte mir im Zielsprint den achten Platz.

Mit offenbar mehr Talent im Ausdauerbereich orientierte ich mich für die Deutschen Meisterschaften auf der Bahn an den 3000m, wo ich die Norm von 9.10min 3 mal um weniger als eine Sekunde verpasste. Die Saison bereits abgeschrieben startete bei den Südwestfälischen Meisterschaften über die 800m. Nur auf Platzierung laufend gewann ich das Rennen und sicherte mir mit 1:56min doch noch das heiß-begehrte Ticket für die Deutsche Meisterschaft in Mönchengladbach.

Im folgenden Jahr qualifizierte ich mich erneut für die Jugend DM (Fulda) wo es mir diesmal über die 1500, gelang das Finale zu erreichen. Das erste mal im Leben zwei Rennen direkt aufeinander waren mir dann aber doch zu viel des Guten. Mit Platzt 11 war ich demnach zufrieden und die Saisonbestleistung von 3:58min konnte sich auch sehen lassen.

Anklopfen an die nationale Spitze

Nach gutem Wintertraining war im Januar 2004 schnell klar, dass es nun auch in der Halle Zeit für die Teilnahme an Deutschen Jugend-Meisterschaften war. Gleich im ersten Rennen, den Westfalenmeisterschaften über 800m in der Dortmunder Helmut-Körnig Halle, gelang es mir im Zielsprint den Titel zu sichern und eine neue Bestleistung von 1:54min aufzustellen. Zwei Wochen später, bei den Westdeutschen Meisterschaften, unterbot ich diese Zeit nochmals sodass ich in der Deutschen Jahresbestenliste vorübergehend sogar auf Platz 1 stand.

Die Qualifikation für das Finale war diesmal also Pflicht statt Ziel. Am Finaltag war ich dann echt nervös. Immer noch auf Platz zwei der Bestenliste wollte ich unbedingt eine Medaille. Doch nach der ersten Kurve fand ich mich an letzter Stelle des Feldes wieder. Ab der 400m Marke arbeitete ich mich bis zur 6. Position vor um in der letzten Runde zum Endspurt anzusetzen. Mit deutlicher Überschussgeschwindigkeit ging ich in der letzten Kurve an dem Zweitplatzierten vorbei und sah mich in Gedanken schon das Rennen auf der Zielgeraden gewinnen. Da spürte ich einen Ellenbogen in der Seite und kam ins straucheln. Knapp konnte ich das Gleichgewicht halten aber der Rhythmus war dahin.

Irgendwie schaffte ich es den dritten Platz ins Ziel zu retten, aber der Sieg war mir leider vergönnt. Da auch ein Kampfrichter die Situation sah wurde der ursprünglich Zweitplatzierte disqualifiziert und überglücklich nahm ich die Silbermedaille entgegen. Durch die gute Platzierung qualifizierte ich mich für einen Länderkampf zwischen Deutschland, Frankreich und Polen und wurde folglich in die Nationalmannschaft aufgenommen. Im Sommer 2004 stellte ich eine Bestleistung von 1:51,49min auf, gewann auch draußen mit dem dritten Platz eine weitere Medaille und sicherte mir zudem weitere Titel auf Landesebene.

Unter Männern

Ballern auf der Bahn - die roten wie immer in Front (Jannar, Andrej, Simon, Niklas)
Die SG Wenden Gang 2010 im Kreuztaler Stadion Stählerwiese

Im ersten Männer-Jahr lief ich zwar sehr früh die Quali für die DM, ansonsten scheiterte ich aber immer wieder beim Versuch die 1:50min zu unterbieten. Nachdem ich mein Abitur bestand waren die Deutschen Meisterschaften bei den Männern in Wattenscheid als Saisonabschluss geplant. Mit 1:51 stand ich in der Bestenliste nur auf Platz 25, einen Platz im Finale der besten 8 war also nicht zu erwarten. So ging ich ohne Druck an den Start, lief lange Zeit an letzter Stelle um auf den letzten 300m bis auf Position 3 zu sprinten und das Finalticket in neuer Bestzeit von 1:49,91 zu lösen.

So durfte ich auch am Sonntag im vollen Stadion antreten, diesmal mit noch weniger Druck – das Saisonziel war ja schließlich bereits erreicht. Also eine ähnliche Taktik wie am Tag zuvor, ganz hinten anlaufen, diesmal unter den Anfeuerungen von 50 mitgereisten Freunden und Bekannten. Auf den letzten 200m sicherte ich mir in einem knappen Rennen den 6. Platz in diesmal 1:48,88min, nicht mal 0,5 Sekunden hinter dem Zweiten.

Simon bei der U23 EM in Erfurt über die 800m
U23 EM 2005 in Erfurt über 800m – gleich geht’s ab!

Tags darauf begann mein Ferienjob in der Fabrik um Geld für den geplanten Urlaub und ein potenzielles Studium zu verdienen. Nach einer sehr anstrengenden Frühschicht klingelte das Telefon. Mein Trainer Egon Bröcher teilte mir mit dass ich für die U23 Europameisterschaft in Erfurt nominiert sei und daher die Ferienarbeit nicht mehr machen könne. Im Verlauf der EM erfuhr ich außerdem dass ich beginnend ab Oktober Teil der Sportförderung der Bundeswehr sei, ein insgeheim gehofftes aber längst verworfenes Ziel.

Nationalmannschaft – Undiszipliniertheit – Verletzungspech

Insgesamt war ich von 2004-2008 Teil der Nationalmannschaft. Bis Ende 2007 sogar Soldat der Sportförderung. Meine 800m Bestzeit steigerte ich auf 1:48,20min und 3:42,72min über 1500m, aber der ganz große Wurf blieb mir verwehrt. Das lag mit großer Wahrscheinlichkeit auch an meiner großen Feierlust mit reichlich Bier und dem Hang zu ungesunden Essen, wodurch ich sicherlich nicht immer optimal regeneriert habe und öfters krank und verletzt war als nötig. Mein 2008 begonnenes Maschinenbau-Studium habe ich nach nur einem Jahr beendet – gerne an Autos zu schrauben ist nun mal nicht ausreichend um die Motivation für ein so intensives Studium aufzubringen.

Im Sommer 2008 lernte ich dann den Assistenzcoach einer amerikanischen Uni kennen und wir kamen schnell ins Gespräch über ein potenziellen Sportstipendium in den USA. Ich war Feuer und Flamme für ein Auslandsstudium in Pennsylvania und die Gesamtperspektive aus Ausbildung und Sport überzeugte mich. Voller Ehrgeiz stürzte ich mich ins Training um im Januar 2009 richtig fit in den Staaten anzukommen, doch Ende Oktober zwickte mir das Schienbein. Schmerzmittel rein und weiterlaufen war die Devise, schließlich wollte ich unbedingt diese einmalige Chance wahrnehmen.

Es kam wie es kommen musste, die Schmerzen wurden nicht weniger, sondern mehr und ehe ich mich versah saß ich Anfang Dezember beim Orthopäden in der Sprechstunde um einen Ermüdungsbruch des Schienbeins diagnostiziert zu bekommen – inklusive langer Laufpause. Die Uni in den USA verlor so natürlich das Interesse an mir – wer kauft schon gerne die Katze im Sack. Es hieß also kein Auslandsstudium für mich und eine Perspektive Zuhause hatte ich auch nicht wirklich.

Seriosität und das Glück meines Lebens

Es musste eine sinn-stiftende Tätigkeit her, also ging ich in mich und besann mich meinem Interesse für Geld. Ich hatte das Glück einen Ausbildungsplatz zum Bankkaufmann ab August 2009 zu ergattern.

Schon während meiner Vorbereitung für die USA traf ich mich regelmäßig mit einem Mädchen was ich gut fand. Nach dem Oster-Trainingslager meines Vereines SG Wenden in Cuxhaven kamen wir dann zusammen. Ich hatte mit Becci endlich meine Seelenverwandte gefunden, wir wuchsen mehr und mehr zusammen und verbrachten kaum einen Tag ohne einander.

Neben der gemeinsamen Leidenschaft für das Laufen entdeckten wir auch unser Interesse für gutes und selbst-gekochtes Essen und nach und nach wurde Fast-Food durch eine ausgewogene Ernährung ersetzt.

Doch noch was anständiges Lernen

Meine Ausbildung zum „Bänker“ verkürzte ich auf 1,5 Jahre und schloss diese als Jahrgangsbester ab. Endlich auch meine beruflichen Interessen entdeckt, schloss ich direkt ein Studium der VWL an. Sowohl Bachelor als auch Master gelangen mir mit Prädikatsexamen und mein sportlicher Ehrgeiz ließ sich auch dank meiner besseren Hälfte nun endlich auf Bereiche außerhalb des Sports übertragen.

Neues Kapitel im Sport

Buschhütten Triathlon 2019 - Radpart auf der HTS
Immer Vollgas – jetzt auch auf dem Rad 🙂

In der Zeit von 2009-2016 liefen wir zusammen viele Rennen, meistens auf der Bahn und im Cross, ich kam 2015 auch noch zu meinem bereits abgeschriebenen DM Titel im Cross mit dem Team und nahm 2015 sowie 2016 mit meinem Verein an den Team-Cross-Europameisterschaften Teil.

2017 waren wir beide mal wieder verletzt was letztendlich zum Triathlon führte. Die Story dazu findet ihr hier .

Natürlich heißt Triathlon nicht, dass man zwangsweise ein langsamerer Läufer werden muss. Das abwechslungsreiche Training sorgte dafür, dass endlich auch die 10km Bestzeit auf 30:55 gesteigert werden konnte – sicherlich auch begünstigt durch unsere 2020 begonnene vegane Ernährung.

Wie geht es weiter?

Eigentlich wollte ich dieses Jahr bei der Duathlon EM im eigenen Lande bei den Profis groß auftrumpfen. Corona hatte da wohl andere Pläne. Trotzdem durfte ich bei den wenigen Rennen die stattfanden meine Form zeigen und die seit 2008 bestehende Bestzeit über 5000m auf 14:44,87 min verbessern. Den guten Schwung werde ich hoffentlich mit ins nächste Jahr nehmen um auch dort zu zeigen, dass man auch mit dann 35 Jahren noch konkurrenzfähig sein kann 🙂 Hierbei unterstützt mich seit Dezember auch mein neuer Coach Mario Schmidt-Wendling.

Außerdem habe ich Gefallen am Coaching anderer Athleten gefunden. Neben meiner Frau Rebecca und vier weiteren Athleten aus der Region plane ich in 2021 noch mehr Athleten zu betreuen. Um hierzu fachlich auf der Höhe zu sein werde ich mich entsprechend weiterbilden.